Erleben
26.11.2020
January 13, 2026

Unser Jahr 2025 am Billesberger Hof

Unser Jahr 2025 am Billesberger Hof

WINTER

Ins Jahr 2025 starteten wir wie jedes Jahr bei uns direkt am Hof. Aufgrund der vielen Verrückten, die es immer noch unerlässlich finden, Raketen und Böller in die Luft zu jagen, bleiben wir am 31.12. immer zuhause am Hof. Die Tiere drehen nämlich durch bei dem Lärm und den Lichtern, die wild aufblitzen und auch die Gefahr eines Feuers ist dadurch gegeben.

Leider forderte das Feuerwerk auch ein Opfer unter unseren Tieren und so starb Henne Antony am 1.1. mit knapp sieben Jahren im Kreise der anderen Hennen. Als ich morgens den Stall öffnete, erwartete mich ein emotionaler Anblick: Alle Hennen standen dicht gedrängt um Henne Antony (sie war bis dahin die Chefin der Herde) und gaben ihr ihr letztes Geleit. Sie atmete nur noch ganz flach und ich streichelte sie, bevor ich mich von ihr verabschiedete. Ich wusste bereits, dass sie nicht mehr leben würde, wenn ich das nächste Mal zum Stall kommen würde. Eine wunderbare kluge Henne, deren Herzchen das Feuerwerk nicht aushalten konnte. Henne Antony war meine erste Henne, die Amadé nach mir benannte, weil er sie besonders schön fand.

Viel Zeit zum Trauern bleibt wie immer nicht, denn es ging im Januar gleich weiter mit der Arbeit und zwar stand Klauenschneiden auf dem Programm. Zum Klauenschneiden werden die Schafe auf ihren Hintern gesetzt und Amadé bearbeitet ihre Klauen (so nennt man beim Schaf die „Hufe“) mit einem Messer. Hat man sie in dieser Position, so bekommen sie auch gleich noch eine Dosis Wurmkur. Schafe werden im Winter entwurmt, um den Wurmdruck im Frühjahr zu minimieren, die Futterverwertung zu verbessern (da Würmer das Futter schlecht verwerten lassen) und spezifische Parasiten zu bekämpfen, die auch im Winter überleben können, insbesondere vor dem Weideaustrieb, um eine massive Neuinfektion der Weide zu verhindern.

Der Januar war sehr sehr kalt mit viel Frost, viel Niederschlag und viel Wind. Eine „perfekte“ Zeit also, um sich eine Krankheit einzufangen. Und wo geht dies besser als auf einer großen Menschenansammlung? Zum Beispiel auf der Grünen Woche in Berlin. Wir freuten uns sehr, als uns Naturland e.V. als „Vorzeigebetrieb“ Mitte Januar auf die Grüne Woche einlud, wo Amadé unsere Produkte präsentierte und die Besucher*innen sogar unsere Nudeln verkosten konnten. Ein Wahnsinnsevent mit vielen Hallen, durch die sich die Besucher schoben. Eigentlich hatten wir geplant, noch zwei Tage zusätzlich in Berlin zu bleiben, aber leider machte uns die Grippe einen Strich durch die Rechnung. Antonie erwischte es als Erste, dann Alesia, Aurelia und nach wenigen Tagen auch Amadé. Nur mit Müh und Not schafften wir die Rückreise im ICE. Eigentlich sind wir im Januar und Februar immer vegan unterwegs, was wir während unserer Krankheit dann aber pausierten, da jeder unterschiedliche Gelüste verspürte und wir froh waren, wenn wir überhaupt etwas bei uns behalten konnten. Diese Krankheitsphase dauerte sehr lange und ging weit in den Februar hinein. Für Aurelias Geburtstag am letzten Januartag nahmen wir all unsere Kräfte zusammen und feierten im Obstkostüm.

Anfang Februar begann Alesias Zeit bei der Tagesmutter und nach einem etwas holprigen Start bei der Eingewöhnung gefällt es ihr dort sehr gut. Die Eingewöhnung übernahm dieses Mal der Papa.

FRÜHLING

Um Ostern herum begann Antonie ihre Unternehmung in Richtung Gelädenrittführerin und machte bei der Fahrschule "Das Fahrwerk“ in Moosinning ihren Anhängerführerschein.

Anfang April begann sie auch ihren Minijob als Dirndlverkäuferin bei Inntaler Tracht in Parsdorf und brachte mit großer Begeisterung jeden Freitag schöne Tracht an Frau und Mann.

Der Frühling war uns sehr hold und so schien an Alesias Geburtstag und Willkommensfest im April die Sonne so schön, dass es eine wahre Freude war! Ihre Paten Franzi und Manuel Grundei waren natürlich mit von der Partie unter blühenden Obstbäumen und mit der engsten Familie und den besten Freunden feierten wir bei Kaffee und Kuchen und einem wunderbaren Veggiebuffet unser Kind, die Liebe und das Leben.

Die Liebe und das Leben feierten wir auch Ende Mai auf der Hochzeit von Antonies Lieblingscousin Robert und seiner Frau Alexandra am Gardasee. Die schönste Hochzeit, auf der wir je waren!

SOMMER

Wie jedes Jahr im Frühling und Sommer besuchten uns viele Gruppen aus dem Kindergarten und der Schule (vor allem von Green City e.V. im Rahmen der Klimaküche) und Antonie führte sie durch den Alltag in der Landwirtschaft. Die Kinder durften Schafwolle erfühlen, Hühner streicheln, grüne Eier bewundern und verschiedenes saisonales Gemüse erraten.

Auch regelmäßig fanden unsere Patentiernachmittage und Nachmittage der offenen Tür statt. Meistens bei bestem Wetter und vielen Anna-auf-dem-Bauernhof-Fans, die einen Glücksmoment hatten, wenn Bauer Mogli ihre Fragen beantwortete. Mittlerweile zählen wir schon an die 20 Tierpaten und alle sind uns sehr ans Herz gewachsen! Natürlich gibt es noch weiterhin Herzenstiere unter den Schafen und Hühnern, die auf ihre Patinnen und Paten warten.

Nach unserem alljährlichen Urlaub am Campingplatz in Italien erwartete uns zuhause eine Überraschung. Unsere Terrasse war verlegt worden und wir genießen noch mehr den wunderschönen Ausblick in unseren Obstgarten.

Die Ernte fiel wie jedes Jahr sehr gemischt aus:

Die Kartoffelernte war mehr als hervorragend. Es gab Kartoffeln in Hülle und Fülle. Manche Landwirte hatten so viele Kartoffeln, dass sie einen Teil im Boden ließen, da das Roden aufwändiger und teurer wäre, als der Umsatz, den sie mit den Kartoffeln machen würden. Unrentabel für sie also. Verrückte Welt, oder?

Die Getreideernte war auch sehr zufriedenstellend, was den Ertrag angeht. Nur leider regnete es nach den ersten 2/3 der Ernte ziemlich lange, so dass der Roggen auswuchs (also bereits in der Ähre zu keimen beginnt und dann das daraus gemahlene Mehl keine Speisequalität mehr besitzt) und nur noch als Futtergetreide verkauft werden konnte.

Hirse, Bohnen und Buchweizen waren nicht so prächtig.

HERBST

Wie jedes Jahr machte sich auch 2025 das Eschentriebsterben leider sehr bemerkbar. Baum um Baum verlor den Halt und kippte um oder brach, als wäre er ein Streichholz. Gut natürlich für unsere Hackschnitzelheizung, die weiterhin viel Nachschub bekommt, um unseren Heiz- und Warmwasserbedarf zu decken, aber schlecht für die Flora und Fauna des Hofes. Zwar pflanzen Amadé und sein Vater jedes Jahr an die hundert Bäume, aber trotzdem ist es ein trauriger Anblick, wenn ein Baum, der so viele Jahrzehnte schon Teil des Hofes war, einfach umkippt und stirbt.

Anfang September startete unser Neuankömmling in Person von Runa, unserer neuen Auszubildenden. Wir kennen sie und ihre Familie, insbesondere ihre vielen Schwestern, bereits gut, da alle in irgendeiner Art und Weise schon bei uns mitgeholfen haben. Eine wirklich zauberhafte und liebevolle Familie. Weiterhin unser Team und unseren Hof bereichern Andrea, Blanche, Moni, Toni, Laura und Jelena. Dieses Jahr startete auch noch Neuankömmling Hermann. Er ist nun immer mit unseren Produkten in München unterwegs und versorgt Restaurants und Märkte mit bester Bioware vom Billesberger Hof. Außerdem helfen er und Moni regelmäßig Sonntags aus, so dass wir in der Familie auch einmal einen freien entspannten Tag haben können. Wir sind für ihre Unterstützung sehr dankbar!

Amadés Geburtstag Mitte September war wie immer von bestem Wetter gekrönt. An die 50 Freunde kamen in unseren Obstgarten und es gab ein Veggie-Grillbuffet vom feinsten! Wir genießen es sehr, wenn uns enge Freunde besuchen und unser Gästezimmer ist auch 2025 regelmäßig frequentiert worden, was uns sehr freut!

Kurz danach fand die Biokontrolle statt, die wie jedes Jahr in Person eines sehr freundlichen Kontrolleurs an den Hof kam und nicht nur unseren Hof, sondern auch das Büro inkl. Papieren auf Herz und Nieren auf ihre Biotauglichkeit durchcheckte.

Im Frühling startete Antonie ja ihre Unternehmung in Richtung Geländerittführerin. Nach vielen Stunden des Trainierens und Übens inkl. Blut, Schweiß und Tränen war es Ende September so weit: Die Prüfung in Theorie und Praxis standen an und sie und ihre beiden Stuten Jella und Babsi meisterten sie mit Bravur. Ein großer Stein fiel Antonie vom Herzen, denn die Zeit der Vorbereitung war in der Tat sehr hart und anstrengend.

Ende Oktober war es wieder so weit: Unser Kürbisfest fand statt. Ausgestattet mit Kaffee, vielen Kuchen, Kürbissuppe und leckerem Kürbiscurry sowie allerlei Produkten und Backwaren gingen wir in unserer neuen Halle an den Start. Diese war pünktlich zum Kürbisfest (fast) fertig und bot uns Gott sei Dank allen Unterstand, denn der Wettergott war uns dieses Mal leider gar nicht hold. Es war regnerisch, windig und kalt. Gefehlt hätte nur noch ein Graupelschauer. Trotzdem kamen viele unserer engen Freunde und Stammkunden, so dass wir am Ende auch auf rund 500 Besucher kamen.

Die neue Halle (zwischen Haupthaus, Trauerweide und Schafstall) ist eine absolute Augenweide und lässt das Herz unseres Biobauern höher schlagen. Dort finden nun die Kartoffeln inkl. einer Kartoffelputzmaschine und einem Kartoffelbunker sowie einige Maschinen platz. Auch Toiletten und ein Mitarbeiteraufenthaltsraum werden 2026 in Betrieb genommen.

Die alte Mühle wird immer leerer und die Gespräche um ihre Nutzung als Eventlocation auch immer konkreter. „Il Mulino“ soll der neue Name lauten.

Im Herbst verkleinerten wir auch unsere Schafherde von circa 100 auf 50 Schafe. Unsere Schafdamen zogen auf zwei Betrieben ein, bei denen sie ein wunderschönes Leben führen können. Wir haben 2025 auch ein allerletztes Mal Lämmer schlachten lassen und sind froh, dass dieses Kapitel nun für immer der Geschichte angehört.

Der Oktober war für Antonie voll mit Vorträgen für die Maschinenring Akademie und Green City (zu den Themen Agrarbüro, Projektmanagement, Resilienz und den versteckten Kosten der nachhaltigen Landwirtschaft), was auch dazu führte, dass Antonie ihren Minijob bei Inntaler mit Ende der Wiesn einstellte. Es war von Anfang an geplant, dass sie nur in der Saison unterstützt, aber es gefiel ihr so gut, dass sie sich vorstellen könnte, 2026 während des Oktoberfestes wieder zu unterstützen.

WINTER

Im November stieg Antonie wieder in Teilzeit bei Siemens ein, da ihre Elternzeit schon fast vorüber war. Ihre Kollegen nahmen sie ganz herzlich in Empfang und man wird sehen, was die Zukunft bringt.

Da Aurelia dieses Jahr in die Schule kommt, schauen wir uns die Waldorfschule in Ismaning genauer an. Für uns wäre es die präferierte Schule.

Im November machen wir den vorletzten Abstecher nach Italien. Es geht nach Rom und bei über 20 Grad essen wir Eis und Unmengen von Pasta Cacio & Pepe. Auch unseren Mädels gefällt es sehr gut und wir zelebrieren das dolce far niente. Wir lieben dieses Land einfach und bereisen es für kürzere und längere Trips jedes Jahr wieder.

Der Dezember war ein wahnsinnig feierreicher Monat! Antonies Geburtstagsfest  und Dinner mit ihren engsten Freunden, die Billesberger Weihnachtsfeier mit leckerem Gemüsecurry, Weihnachten mit der ganzen Familie sowie die Silvesterparty bei uns am Hof mit unseren Moosinninger Freunden samt Kindern. Aber die wunderbarste Feier fand einen Tag vor Silvester statt: Nämlich die Hochzeit von Antonie und Amadé. Es war ein Tag, wie er schöner nicht hätte sein können. Nach sieben Jahren Beziehung kam im ersten Wellnesskurztrip ohne Kinder im Lüßner Tal in Südtirol der Antrag von Amadé und die spontane Entscheidung, sich noch im letzten Rest des Jahres 2025 zu ehelichen. Amadé organisierte wirklich alles: von standesamtlicher Trauung durch unseren Bürgermeister Georg Nagler bis hin zur winterlichen Kutschfahrt mit unserer Stute Babsi zum Standesamt über das Mittagessen, bei dem in der Polka in München die beiden Köche kochten, die auch an unserem ersten Date im Jahre 2018 kochten. Und als der Tag schon fast vorüber war, empfingen uns unsere besten Freunde bei uns zuhause mit einer Überraschungsfeier, die ebenso Amadé organisiert hatte. Wir waren rundum glücklich!

DANKE auch für 2025 an unsere großartigen Unterstützer und Helfer. Allen voran unsere Eltern und die Omas, die sich liebevoll um ihre Enkelinnen kümmern und uns dadurch oft den Rücken freihalten.

Danke auch an unsere Mitarbeiter, treuen Kunden, Partner und Tierpaten!

Ohne Euch wäre das alles nicht möglich!

Auf ein gesundes, frohes, lustiges und (halbwegs) ruhiges 2026!

Wir freuen uns!

Amadé, Antonie, Aurelia und Alesia Billesberger (seit 30.12.2025 heißen wir nun alle 4 so :))

Weitere Artikel